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Druck- und Tippfehler
Was haben Ohrgeigen und Fötenensembles gemeinsam? Richtig: Beide gehen auf das Konto «Druckfehler», sind dem gestrengen Auge der Korrektur entgangen. Darüber freut sich das Druckfehlerteufelchen, dessen Existenz viele beschwören, obgleich es bisher nirgendwo gesichtet worden ist. Ehrlicherweise stehen hinter seinem Machwerk höchst menschliche Gestalten: Autorinnen (dann handelt es sich genau genommen um «Tippfehler») oder Layouter (ihnen schreiben wir die «Druckfehler» zu). Einmal daneben auf der Tastatur, ein Zucken zu viel oder zu wenig: Die Feinmotorik spielt uns manchen Streich. Überdies kooperiert sie mit dem Reafferenzprinzip (ein Mechanismus, welcher es dem Zentralnervensystem ermöglicht, erwartete Reize auszublenden. Die wissenschaftliche Erklärung dafür, weshalb unsere Wahrnehmung bei einem bekannten Text Fehler korrigiert, ohne sie als solche zu signalisieren; ja sie unbewusst/automatisch zurecht rückt). Bereits ist es passiert! Gepaart mit Hektik, Augenbrennen oder Alkohol kommt es manchmal ganz dick. Dann bewegen sich Astronauten in (auf?) einer Atmosfähre, einem Rumschiff oder einer Glaxie. FachchinesischZugegeben: Sie sind schwierig, Wörter wie «Bachweh», «prositioniert» bzw. «Schachschaden»[1]. Rasch ist falsch getrennt ( Werb-eikone) oder anders interpretiert («Marktfrische» statt «Marktnische» ). Wer ob eines unlösbaren sprachlichen Problems verzweifelt, wird zum unfreiwilligen Komiker («Grundalgenforschung», «Cornfakes»), nachsichtig gegenüber Verschreibern der Tagespresse («GUSGUS-Staaten»[2]), ja kann sogar der neuen Rechtschreiberegelung Ungeahntes abgewinnen ... HauchdeutschKenner behaupten, ein Buch ohne Fehler gäbe es nicht. Und wenn, dann sei der Titel konfus («Berlin unter Plomben» [4]). Weh tut's auch bei den Untertiteln («Von Drachen, Wildmannli und dem Nachtvolk - Sargen aus dem Taminatal». Zum Schluss zwei wundervolle Konstruktionen, ohne sie wäre die Welt ärmer:
[1] vgl. Aargauer Zeitung 4.11.2006, Seite 33 [2] DAS MAGAZIN 11/2008 [3] Ernst Th. A. Hoffmann bzw. Das Taschenbuch zum geselligen Vergnügen. Gleditsch Verlag, Leipzig und Wien 1820 [4] Richtige Überschrift: «Berlin unter Bomben» |