Rezension
Kursbuch für kleine Fluchten
Mit ihrem literarischen Erstling „Time in, Time out” hat Karin Ammann ein
sowohl fachlich fundiertes als auch nachdenklich machendes Buch vorgelegt.
Es sei – nicht nur – all denjenigen wärmend ans Herz gelegt, die sich selbst als
„reif für die Insel“ einstufen und ein latentes Unbehagen an ihrer derzeitigen
Befindlichkeit in sich rumoren spüren.
Fernab von hohler „Lifestyle“-Phrasendrescherei einer fun generation, die
In-Line-Skating, Open-Air-Dröhnungen und andere Sozialbelästigungen mit tragfähigen
Lebensentwürfen verwechselt oder anderweitig ebenso geräuschvoll wie hilflos
Leistungsverweigerungen öffentlichkeitspenetrierend zelebriert und der ermattenden
Gesellschaft in die tauben Ohren hämmert, schöpft die „gelernte“
Arbeitspsychologin Ammann aus einem beachtlichen Vorrat an reflektierter Lebens- und
Berufserfahrung und zeigt begehbare Wege aus der Misere, in die sich das
Individuum durch eine monothematische „Leistungs“-Gesellschaft gestürzt sieht.
Überdies ist „Time in, Time out“ – dieses gelungene Kompendium aus
Beschreibung, Analyse, Stellungnahme und Ratgeber – abwechslungsreich geschrieben und
präsentiert sich in seiner Gesamtheit, nicht zuletzt dank der praxiserprobten Checklisten, als
ein sehr nützliches Kursbuch für „Ausbruchsversuche“ aus gewohnten
Verhaltensmustern.
„Time in, Time out“ schafft ausgezeichnete Startpositionen, um eigene
Lebensgewohnheiten und eingeschliffene Arbeitsweisen – bis hin zu niemals hinterfragten
Einstellungen – einmal gnadenlos ins Kreuzverhör zu nehmen und auf vermutete oder
angezweifelte (Un-)Sinnhaltigkeit abzuklopfen.
Wobei die von der Autorin geschickt eingeflochtenen Erfahrungsberichte von
„AussteigerInnen“ zusätzlich reichlich Stoff zum Träumen des eigenen
„Time out“-Modells bieten.
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Jan Peters, Kaiseraugst
http://www.jan-peters.ch
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